Auch in den Kornaten ist’s, wie’s isst: Fisch muss schwimmen

Die Cuisinière & Der Connaisseur schwimmen ausnahmsweise in getrennten Meeren, seiner Thunfisch-Festa steht sie kritisch gegenüber, ihren Neid spürt man trotzdem.

Wolfgang Fischer & Jacqueline Pfeiffer
Jacqueline Pfeiffer & Wolfgang Fischer
Essen sich für Newsflix durch Österreich und Umgebung: Wolfgang Fischer und Drei-Hauben-Köchin Jacqueline Pfeiffer Helmut Graf

Die Cuisinière zeigte sich alles andere als beglückt, Der Connaisseur offenbarte ihr seine Pläne, dem geneigten Newsflix-Leser und der interessierten Newsflix-Leserin wesentliche Einblicke und Ratschläge in die Kulinarik der dalmatinischen Inselwelt zu gewähren. Sei es doch sie gewesen, die in den 80ern („des vorigen Jahrhunderts“, wie er spitz einwerfen musste) Jahr für Jahr „mit der ‚Free and Easy‘ die Adria rauf und runter gesegelt“ ist.

„Wie hat sich das auf deine kulinarische Prägung ausgewirkt?“, wollte Der Connaisseur in Vorbereitung der Mission von der zuhause Bleibenden wissen. In einigen Buchten habe es schon Konobas gegeben. Sie sei „in dieser Zeit quasi mit Seafood aufgezogen“ worden.

Und jetzt soll die kulinarische Neu-Vermessung der Kornaten zwischen Zadar und Šibenik nicht Die Cuisinière, sondern statt ihr Admiral Duck vornehmen? Sie war empört und kündigte schwerere Retorsionsmaßnahmen nach ihrer bevorstehenden Istrien-Reise an, bei der sie dann ebenfalls Admiral Duck begleiten werde. „Der kann sich nicht wehren“, murmelte Der Connaisseur.

„Una festa sui prati“ summte Der Connaisseur in akzentfreiem Kroatisch, als sie sich der Insel Žut näherten.

Grüßt die Freizeit-Kapitäne schon von weitem: Das "Festa" auf der Insel Žut in den Kornaten PrivatPrivat

Das – frei nach Celentano – „Festa“ findet jetzt nicht auf einer prati statt. „Derer es auf den Inseln des  Kornati Archipels insgesamt wenige gibt.“ „Stimmt“, bewundert Der Connaisseur das Langzeitgedächtnis der Cuisinière. Gemeint ist nämlich dieses Fešta in einer wunderbaren Bucht auf dem nicht ständig bewohnten Eiland. Dafür gibt es einen für die Gäste kostenlosen Yachthafen, wo sich im Sommer eine Voranmeldung als dienlich erweist. „‚Fešta‘ ist also ein Fest für den Marineur„, mutmaßt Die Cuisinière nach Begutachtung des Fotos.

Die kleine aber feine Marina des "Fešta" auf Žut PrivatPrivat

„Unter den teilweise Jahrhunderte alten Olivenbäumen auf der Terrasse mit Blick auf das Meer lässt es sich aushalten“, bestätigt Der Connaisseur. Und Admiral Duck stimmt freudig zu.

Und schon ging es los mit dem Gruß aus der Küche. Des Connaisseurs Kalauer „die sollen nicht grüßen, sondern kochen“ findet Die Cuisinière übrigens noch immer nicht rasend lustig.

Der Gruß aus der Küche, eine "Bonito Schwertfisch-Pastete", macht Appetit auf Meer Privat"Privat

Durch die „Bonito Schwertfisch-Pastete“ auf den Geschmack gekommen, war die nächste Bestellung ökologisch korrekt „einmal Tuna alles“.

Tatsächlich gibt es in diesem Teil der Adria Thunfische, auch erste Zuchterfolge werden vermeldet, nimmt er das kritische Stirnrunzeln der Cuisinière vorweg. Aber das ist ein Thema, dem auch die Wirte, mit denen Der Connaisseur im Rahmen seiner Fact-Finding-Mission darüber gesprochen hat, lieber ausweichen. Jedenfalls gibt es den θύννος tatsächlich in fast jeder Konoba zwischen Zadar und Šibenik. Und zwar in Sashimi-Qualität und -Preis.

So auch diese Thunfisch-Variationen (von Tataki über die Avocado-Röllchen, Ceviche, Sashimi, Tartare) mit einer süß-scharfen Kapern-Oliven-Sauce mit Orangenkonfitüre – „nur das Wasabi entstammte nicht aus dem eigenen Anbau?!“, schloss Die Cuisinière schärfer als die grüne Paste. Ebenso der Preis: 120 Euro.

Wer "einmal Tuna alles" bestellt, bekommt dann diese Köstlichkeit serviert PrivatPrivat

Aber wenn das Couvert schon mit 7,50 Euro zu Buche schlägt, überrascht das nicht mehr sehr. „Du musst bedenken, das müssen sie alles auf die Insel bringen“, war Die Cuisinière wieder mal auf der Seite ihrer Kollegen. Der Connaisseur versucht einen Widerstand: „Speziell der Fisch, die Oliven, das Gemüse …“ Sich der Zwecklosigkeit hingebend, gesteht er: „Aber gut war es schon!“ Er kann nicht das letzte Wort haben. „Deswegen haben sie wohl zwei Hauben“, ergänzte die bestens studierte Cuisinière. „Trotz allem ein saftiger Preis, die anderen müssen ja auch ihre Ware anschippern!“

Die „Orata“ (Kilo um 108 Euro) mit einer „Zitronen-Minze-Oliven-Sauce“, zubereitet auf einer Salzkruste – hervorragend. Dazu die üblichen Beilagen wie Mangold, Paprika und – wie man sie nicht nur in Vorarlberg nennt – Krumpire um 10 Euro. Je!

Orata, also Goldbrasse, in einer Zitronen-Minze-Oliven-Sauce PrivatPrivat

Immer gut – der heimische Malvasia (46 Euro), noch besser: der Grk von Popić (65 Euro), autochthon in Korčula. Weil: „Der Fisch muss schwimmen“ zitiert Der Connaisseur den täglichen Schlachtruf seines Lieblings-Skippers.

Keine fünf Seemeilen entfernt, „wahrscheinlich auch nur mit dem Boot erreichbar?“, argwöhnt Die Cuisinière richtig. Und sinniert über ihre schon erwähnte Seefahrer-Vergangenheit. Als sie und ihr Stiefbruder „an der Reling angeleint, während Eltern und Tanten des öfteren alle Segel, Steuerrad und Leinen unter Kontrolle zu halten versuchten …“ – „und es mit größtem Einsatz schafften, wie man sichtlich merkt“, unterbricht Der Connaisseur – „… und das Geschirr aus den Regalen flog …!“, lässt sie sich nicht beirren.

Der Connaisseur denkt kurz über die nachträgliche Einschaltung der Fürsorge nach, lässt sich dann aber doch nicht beirren und setzt erneut an: „Also: keine fünf Seemeilen entfernt liegt in der Bucht der Insel Katina die „Konoba Mare“; erneut ein Juwel, der Blick aufs türkisfarbene Mare und der unglaubliche Sternenhimmel (ohne Lichtverschmutzung). „Konoba heißt Wirtshaus“, versucht Die Cuisinière den Connaisseur zu belehren. Dieser ergänzt nickend, „ja, und zwar jedes Lokal, von der echten Windn bis zum Sternentempel“.

Die "Konoba Mare" auf Katina, keine fünf Seemeilen von Žut entfernt PrivatPrivat

Auch in der „Konoba Mare“ konnte Der Connaisseur nicht vom Thunfisch lassen. Doch das Tataki auf Letscho mit Paprika-Pünktchen konnte mit der vorhergegangenen Thunfisch-Festa, außer beim Preis (25 Euro), nicht wirklich mithalten.

Tataki auf Letscho in der "Konoba Mare" auf Katina PrivatPrivat

„Das kommt davon, wenn man verwöhnt ist“, stichelt Die Cuisinière. Meinte aber vielmehr, weil sie nicht dabei gewesen sei. Und damit eine weitere Haube verpasst hat. „Aber ja, bei dieser Garung wundert es mich nicht“, stimmt sie schließlich doch zu.

Die Risottos (Scampi und Nero, je 28 Euro) hingegen – sensationell.

Scampi-Risotto um 28 Euro PrivatPrivat

Aber dann, der Branzino, fangfrischer geht gar nicht. Al forno – aus dem Backrohr: unglaublich!!! Jeden einzelnen der 93 Euro für das Kilo wert. „Saftig, bissfest und geschmacklich ausgezeichnet“, is(s)t Der Connaisseur im Fischhimmel.

Nicht zu vergessen die frischen Lobster (165 Euro für das Kilo). Da müsse man nur Obacht geben, so Kenner, zwei Kilo seien gleich weg in den Spaghetti … Was den Connaisseur preislich an maßlose Trüffelzeiten erinnert!

Branzino vulgo Wolfsbarsch um 93 Euro pro Kilo PrivatPrivat

Feine Lage und etwas günstigere Preise zeichnen das „Babalu“ auf der Insel Kakan aus. Der kleine Imbiss aus „Bruschettas“ (vier Stück 12 Euro), Oktopus-Salat um 16 Euro und Tuna-Tartar (17 Euro), samt dem hervorragenden Hauswein Pošip, macht mittags Freude.

„Daytime drinking“, bringt sich Die Cuisinière mit unwiderlegbaren Tatsachen ein. „Das ist wohl Teil der Mission“, behauptet Der Connaisseur – und fühlt sich ertappt.

Dass in der traumhaften, fast karibischen Bucht dubiose Zustände hinsichtlich „Ankergebühren“ herrschen, muss Erwähnung finden. Auch, dass die junge, ambitionierte Truppe des „Babalu“ nichts dafür kann. Manche sprechen sogar von Raubrittertum. Zumal bei anderen Konabas das Ankern bei entsprechender Konsumation, wie erwähnt, gratis ist. Wir sagen eben, wie es ist!

"Raubrittertum" macht das Ankern in Kakan ein wenig unsympathisch, findet auch Admiral Duck PrivatPrivat

„Und da kommt man überall nur mit dem Boot hin!?!?“, ereifert sich Die Cuisinière mit einer rhetorischen Frage.

„Dann wirst du eben etwas aus Istrien liefern“, revanchiert sich Der Connaisseur, „da kommt man auch mit dem Auto hin, oder?“ Und verspricht, eine weitere lokale Kritik mit den auch für Nicht-Marineure erreichbaren Spitzenrestaurants in Murter und Šibenik zu liefern.

Dieser Artikel ist zuerst auf NewsFlix erschienen.

Lokal

Dieses Restaurant haben wir in dieser Kritik besucht:

Grill Bar BABALU

Kakanj 8, 22235 Kakanj
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